Zu den Besonderheiten einiger konischer Schalmeien und bestimmter Dudelsackinstrumente der Musikinstrumentensammlung der Hochschule für Musik des Saarlandes
In
meinem letzten Vortrag hatte ich über bestimmte Besonderheiten
von zylindrischen Schalmeien aus meiner Werkstatt gesprochen und
habe nun vor, über ebensolche von mir hergestellten
Instrumente, aber eben in konischer Bauart, zu berichten.
Zu
den zylindrischen Instrumenten konnte ich darlegen, dass es dabei
unter dem von mir stets in den Vordergrund gerückten Aspekten
musikinstrumenteller Technikentwicklung und musikinstrumenteller
Systematik, nicht nur Neues, sondern auch prinzipiell Neuartiges zu
vermerken gab, welches ich damals auch entsprechend gekennzeichnet
und charakterisiert hatte.
Das
verhält sich nun bei meinen konischen Schalmeien die ich Ihnen
hier vorstellen möchte etwas anders. Bei diesen lassen sich zwar
auch eine Reihe von speziellen Besonderheiten und Weiterentwicklungen
vermerken, - aber wohl kaum derartige „Neuartigkeiten“
hervorheben.
Ich
habe mir diesmal aber vorgenommen, außerdem auch über
bestimmte Dudelsackinstrumente aus meiner Werkstatt zu sprechen,
unter denen sich sowohl solche mit diesen konischen, als auch solche
mit zylindrischen Melodiepfeifen befinden. Und hinsichtlich dieser
komplexeren Instrumente möchte ich Sie heute ebenfalls mit
bestimmten musikinstrumentellen Besonderheiten konfrontieren, von
denen einige wohl auch als besondere Novitäten in der bisherigen
Geschichte der Herstellung von Dudelsackinstrumenten gelten können.
Nun
aber zunächst zu den von mir hergestellten konischen
Schalmeieninstrumenten.
Es
handelt sich im Wesentlichen um drei Instrumententypen
verschiedener Größe.
Einmal
um die große Schalmei in G-Stimmung, von der ich Ihnen zwei
Exemplare mit unterschiedlichen Schallbechern zeigen kann, dann um
ein weitaus kleineres Instrument in Bb und letztlich um ein
ungewöhnlich kleines Instrument in C-Stimmung.
Ich
möchte Ihnen nun zu diesen Schalmeien zunächst nur solche
Besonderheiten vorführen und erläutern, welche bei allen
dreien dieser unterschiedlichen Instrumententypen anzutreffen sind.
Ebenso wie meine zylindrischen Schalmeien, sind auch diese konischen Instrumente jeweils mit einer im Kopf eingelassenen präzisen Metallhülse ausgerüstet, um sowohl eine exakte Aufnahme, als auch eine leichtgängige Verschiebbarkeit des dort einzubringenden Tongenerators gewährleisten zu können.
Außerdem sind sie ebenfalls alle mit einer entsprechend genormten Windkapsel ausgerüstet, welche, wie ich hier noch zeigen möchte, im Falle der Verwendung einer solchen Schalmei als Melodiepfeife an einem Dudelsack aus meiner Werkstatt, dann auch sofort als Mundrohr am Dudelsack Verwendung finden kann.
In diese Windkapsel kann dann auch jeweils die von mir speziell dafür entwickelte Feinstimmeinrichtung eingesetzt werden, welche ich bereits im Zusammenhang mit den Erläuterungen zu meinen zylindrischen Schalmeien, vorgestellt hatte.
Alle diese konischen Schalmeien tragen einen angesetzten, verschiebbaren bzw. drehbaren Schallbecher.
Die Tonskala aller dieser Instrumente beginnt jeweils mit einem Halbton unter dem jeweiligen Grundton der Tonart in der sie stehen, wobei dann die Oktave dieses Grundtons als erster überblasener Ton des höheren Registers erklingt. Für alle weiteren Töne innerhalb der oberen Oktave ist dann jeweils die ebenfalls hier an allen drei Typen angebrachte „Überblasklappe“ zu benutzen.
Vom ersten überblasenen Ton abwärts sind die beiden obersten Tonlochbohrungen dieser Instrumente, im Halbtonabstand angeordnet und weitere Halbtonschritte zur Erleichterung des Spiels verschiedener Tonarten, werden dann jeweils mittels der an allen diesen Instrumenten speziell eingebrachten besonderen Doppellochbohrung für den Ringfinger der oberen bzw. linken Spielhand ermöglicht.
Die Tonlochbohrungen dieser konischen Schalmeien sind generell im Sinne einer besonderen dudelsackspezifischen Griffweise angelegt, welche gewissermaßen als „halbgedeckt“ bezeichnet werden kann. Beim meinen Instrumenten werden dazu für eine von unten begonnene Tonleiter, zunächst alle Finger der unteren bzw. der rechten Hand der Reihe nach abgehoben. Sobald aber die Grifflöcher für die linke Hand erreicht werden, müssen die oberen drei Finger der rechten Hand jeweils wieder auf ihre Fingerlochpositionen zurückgeführt werden und dort verbleiben, und sollten dann – ähnlich wie bei der für meine zylindrischen Schalmeien obligatorischen „gedeckten Griffweise“ – nur für bestimmte Vibratoeffekte, oder gegebenenfalls im Sinne bestimmter Intonationsregulierungen, bewegt werden.
Alle diese konischen Schalmeien werden bei mir inzwischen – ebenso wie ich dies für meine zylindrischen Instrumente inzwischen eingerichtet habe - mit Tongeneratoren aus einem bestimmten Plastematerial ausgerüstet. Aber im Unterschied zu den letztgenannten, bei denen ich lediglich Wert darauf gelegt habe, dass sie sowohl am Dudelsack, als auch mundgeblasen mit Windkapsel, gespielt werden können, habe ich bei den Tongeneratoren für meine konischen Schalmeien immer auch noch die Möglichkeit, diese Instrumente in bestimmten Fällen auch noch direkt mit Lippenansatz mundgeblasen einsetzen zu können, erhalten wollen.
Diese
außergewöhnliche Bestrebung bringt dann aber auch ganz
bestimmte Probleme mit sich, auf die ich nun, zunächst vor allem
im Zusammenhang mit weiteren spezifischen Besonderheiten meiner
großen „G-Schalmei“, näher eingehen möchte.
Dudelsackpfeifen
in dieser Größe waren die ersten konischen Schalmeien die
ich für die verschiedensten Musikanten hergestellt habe. Sie
waren damals, im Unterschied zu den inzwischen von mir gebauten
Instrumenten dieser Art, zunächst noch mit einem speziell
gedrechseltem Schallbecher ausgestattet, wurden mit speziell
zurechtgemachten Oboenrohren aus arundo donax betrieben und verfügten
auch noch über etwas anders konzipierte
Tonloch-Mensurverhältnisse; - ohne Doppellochbohrung und ohne
die Konzeption einer Überblasklappe.
Instrumente
dieser Art gehörten in den achtziger Jahren zweifellos zu den
verbreitetsten Schalmeieninstrumenten in der DDR und wurden alsbald
sowohl in den verschiedensten Musikfolklore-Gruppen, als auch in dem
später von mir gegründetem speziellen Dudelsackensemble
„Deutsche Dudelsackspieler Runde“(01)verwendet.
Dass
diese Instrumente von mir für die Tonart G-Dur konzipiert waren,
obwohl ich – aber dann auch verschiedene andere damalige
Interessenten an der Herstellung solcher Instrumente in der DDR -
zunächst von der Größe und vom Konus der
Melodiepfeife einer französischen Cabrette aus meiner Sammlung
(02)(also einer, auch entsprechend für F-Dur möglichen
Instrumentenvorlage) ausgegangen waren, hatte seinen Grund darin,
dass in der damaligen Szene von jüngeren Neofolkloristen dieses
Landes, anfänglich (wohl auch im Zusammenhang mit der damaligen
Dominanz von bestimmten, dort, zunächst oft nur in einfachster
Spielweise verwendeten Saiteninstrumenten) eben vorwiegend
„Kreutztonarten“ genutzt wurden. Das war aber nun in der
bereits 1977/78 entstandenen Dudelsackgruppe „Windbeutel“,
in welcher von Anfang an ein ganz spezieller,in Es-Dur stehender Bock(03), aber dann auch zunehmend
bestimmte, von mir besonders geliebte und eben für Bb-Tonarten
auch eher geeignete Instrumente, wie Eb-Alt-Horn, Eb-Klarinette und
später auch Eb-Sopranino-Saxophon, eine weitaus dominierendere
Rolle spielen konnten, völlig anders. Ich habe also alsbald auch
eine entsprechend kleinere konische Schalmei für entsprechende
Bb-Tonarten entwickelt, welche dann aber immer wieder nur in meiner
Gruppe verwendet wurde, aber(04) bemerkenswerter Weise kaum noch auf
weiteres Interesse innerhalb der sonstigen Musikfolkloreszene der DDR
traf. Dort dominierten inzwischen die entsprechenden großen
Schaperpfeif-Dudelsäcke in G-Dur, mit denen dann auch der damals
in der DDR vor allem von Roman Streisand alsbald eingeleitete Boom
von „Mittelalter-Veranstaltungen“, sowohl optisch, als
dann auch zunehmend musikantischer werdend(05), begleitet und
umspielt wurde.
Man
könnte nun, wenn man beispielsweise die ebenfalls in Bb
stehenden großen schottischen Dudelsäcke im Sinn hat,
bedenken, dass doch also auch Instrumente in dieser Tonart für
lautstarkes und aufsehenerregendes Freiluft-Dudelsackgeschehen
bestens geeignet sind, denn diese großen „Hochland-“
oder auch „Kriegs-Pfeifen“ genannten Instrumente,
beweisen dies schließlich. Aber sie beweisen es eben mit ganz
anderen, sehr laut und martialisch wirkenden Melodiepfeifen, deren
Klangeigenschaften ich bei meinen Instrumenten gerade nicht im Sinn
hatte. Bei den von mir für diese Tonlage konzipierten konischen
Schalmeien, handelt es sich letztlich um etwas ganz anderes, -
eigentlich eher um einen gezielt beabsichtigten Gegenentwurf zum
schottischen Chanter.
Meine
prinzipiell leiser klingenden Schalmeien in Bb haben nicht nur einen
ganz anderen Tongenerator, sondern auch eine schlankere konische
Bohrung und hinsichtlich ihrer Grifflochbohrungen auch andere
Mensurverhältnisse und sie können zudem auch über eine
Überblas-Klappe(06) verfügen, mittels derer dann auf ihnen
auch ein weitaus größerer Tonumfang als auf der
schottischen Dudelsack-Melodiepfeife gespielt werden kann. Zudem
müssen sie (entsprechend ihrer ganz anderen Tonlochanordnung)
auch in einer besonderen - hier bereits geschilderten- Griffweise
gespielt werden, welche den speziellen Dudelsackgriffen der
schottischen Instrumente zwar ähnelt, aber eben diesen doch
nicht gleich ist.
Und
diese Instrumente wurden – wie ich bereits deutlich gemacht
habe – auch im Sinne einer dreifachen Einsatzmöglichkeit
konzipiert: Einerseits als Meldodiepfeife eines Dudelsackes und
andererseits als mundgeblasene Schalmei, entweder mit Windkapsel,
oder eben auch als ein direkt mit Lippenansatz gespieltes Instrument.
Die Verwendung als Dudelsackpfeife werde ich Ihnen hier noch
vorführen, wenn ich dann auch über diese komplexen
Instrumente spreche. Jetzt möchte ich Ihnen zunächst wieder
– wie bereits an der großen G-Schalmei gezeigt –
die Unterschiedlichkeit von „indirektem“ und „direktem“
Mundansatz vorführen. Also einerseits den Bläseransatz mit
Hilfe einer Windkapsel, bei dem die beiden Halbmembranen des
Tongenerators, wie beim Dudelsackspiel, frei schwingen können
und nur unserem Luftdruck unterliegen, und andererseits den Ansatz
mit Hilfe unser Lippen, bei denen diese Halbmembranen auch dem
Lippendruck unterliegen, also sozusagen „oboenartig“
angeblasen werden, vorführen.
Dazu
aber zunächst bestimmte Vorbemerkungen:
Von
manchen meiner Dudelsackschüler an der Berliner Schostakowitsch
Musikschule, bei denen ich in der Regel die ersten Griffe der
Melodiepfeife noch nicht am Dudelsack, sondern zunächst eben
mittels einer mundgeblasenen Windkapsel üben ließ, wurde
ich manchmal gefragt, was denn dann der Vorteil eines Dudelsackes sei
– da man doch auch so dudelsackartig spielen kann…Ich
habe diese Frage nie als etwas Unüberlegtes zurückgewiesen,
sondern stets die Gelegenheit genutzt hier auch weiterreichende
prinzipielle musikantische Unterschiede zu verdeutlichen: Dass man
nämlich mit dem Dudelsack endlos dudeln, aber mit den meisten
Dudelsackinstrumenten doch kaum exaktes Stakkato oder deutliche
Pausen spielen kann, wohingegen man mit der Windkapsel ganz exakte
Melodiepausen und vielfältiges Stakkato, aber eben nicht so ohne
weiteres ein endloses „Dudeln“ zustande bringen wird. Ein
entsprechendes „Dudeln ohne Sack“ wird erst dann möglich,
wenn man sich wiederum mit den Besonderheiten der so genannten
„zirkulierenden“ oder auch „permanenten“
Atmung näher vertraut machen würde. Und so etwas –
also quasi „Dudelsackmusik ohne Säcke“ - gibt es ja
schließlich. Eine ganz spezielle Musikkultur, die wir auch in
Europa finden können; beispielsweise auf Sardinien. Es geht also
beim Spiel mit der Windkapsel zunächst um den Klang einer
Dudelsackpfeife in Verbindung mit Melodiepausen und
Stakkatomöglichkeiten, wohingegen wir es bei einer mit direktem
Lippenansatz angeblasenen Schalmei zwar auch mit der Möglichkeit
von Melodiepausen und bestimmten Stakkatospielweisen, aber eben nicht
mehr mit den Klangbesonderheiten einer Dudelsackmelodiepfeife zu tun
haben. Im Sinne dieses Unterschieds haben wir es dann also eigentlich
doch mit einem Musikinstrument ganz anderer Spezifik zu tun. Und
dieser Unterschied muss uns noch deutlicher werden, wenn wir zudem
bedenken, dass wir mit Hilfe dieser „lippendirekten“,
also eben auch „oboenartigen“ Spielweise nun nicht nur zu
wieder ganz anders gestaltbaren Stakkatospielweisen, sondern nun auch
zu einem ganz andersartigen Vibrato in der Lage sind. Dies alles ist
jedoch wiederum mit Schwierigkeiten besonderer Art verbunden, so dass
ich zwar denke – wie ich ja bereits deutlich gemacht habe –
dass diese ganz andere Spielweise auch an einer für den
Dudelsack vorgesehenen Melodiepfeife nutzbar erhalten bleiben kann,
aber dann wohl nur von wenigen Spielern auch in musikalisch
wertvoller Weise zu verwirklichen sein wird. Denn wer sich an so
etwas wagt, hat es eben doch wieder mit weitaus vielfältigeren
musikantischen Problemen und Besonderheiten zu tun, als sonstige
Dudelsackspieler. Zunächst muss er sich gründlich mit den
spezifischen Anforderungen beschäftigen, die ansonsten nur
Oboenspielern oder bestimmten anderen Schalmeienspielern abverlangt
werden und den Dudelsackspieler doch eigentlich gar nicht berühren.
Nämlich mit den besonderen „Virtuosenanforderungen“
die an das oboenspezifische intensive Training von dessen Mund- und
Lippenmuskulatur gestellt werden, welches dort auch durchaus
aufwändiger und mühsamer ausfallen kann, als
vergleichsweise die Übungsbemühungen in Hinsicht auf Atem-
und Fingertechnik eines Oboisten. Aber der vom Dudelsack oder dem
Windkapselspiel herkommende Musikant hat, wenn er seine Melodiepfeife
nun tatsächlich auch auf diese Weise spielen möchte,
jeweils noch ein anderes Problem zu beachten, welches ich nun in
folgender Weise deutlich machen möchte: Wenn wir auf einer gut
eingestimmten Oboe versuchen wollen, diese auch einmal mit einer
Windkapsel anzublasen so können wir ohne Weiteres die Erfahrung
machen, dass dies durchaus möglich ist. Dann, wenn wir weiter in
dieser Richtung experimentieren (und ich habe so etwas natürlich
immer wieder, auch mit den unterschiedlichst gestalteten Windkapseln
getan) werden wir die Erfahrung machen, dass es sich dabei anbietet,
nun auch das Doppelrohrblatt den entsprechenden Windkapselbedingungen
anzupassen, damit es dort entsprechend „besser anspricht“.
Dabei aber kann nun dieser, zuvor doch für den direkten
Lippenansatz eingerichtete Tongenerator, für diesen Ansatz
wiederum verdorben werden. Und letztlich werden wir dann auch immer
wieder die Erfahrung machen müssen, dass die Oboe eben doch
nicht über eine, für einen Windkapsel-Ansatz geeignete
Anordnung ihrer Grifflöcher verfügt. So gespielt, werden
wir letztlich feststellen müssen, dass das Instrument dafür
eben einfach nicht eingerichtet ist und eben auch „nicht
richtig stimmt“. Ich würde also auch niemals vorschlagen
wollen, etwa mit einer Oboe in dieser Weise umzugehen, oder etwa an
ein in diesem Sinne neu zu konzipierendes Instrument dieses Kalibers
zu denken. Aber das Umgekehrte – nämlich eine
entsprechende konische Dudelsackpfeife, auch noch für die
Möglichkeit eines Lippenansatzes in Betracht zu ziehen –
schlage ich hier doch vor, und möchte es auch sogleich
vorführen. Diesen Widerspruch – oder eben auch den
entsprechenden konfliktreichen Vorschlag, so etwas doch zu versuchen,
kann ich nun nur in folgender Weise näher auflösen und
vielleicht auch weiter verteidigen. Ich denke die Erfahrung gemacht
zu haben, dass ein solcher musikinstrumenteller Funktionswandel zwar
in Hinsicht auf ein Instrument in der Größe einer Oboe,
sicherlich ziemlich aussichtslos bleiben wird, sich aber bei den von
mir ins Auge gefassten, weitaus kleineren Kalibern solcher, etwa eine
Oktave höher angelegten, kleineren Dudelsackpfeifen, doch
vielleicht in Form eines Kompromisses praktikabel bewältigen,
und dann auch in einer musikantisch vertretbaren Art und Weise,
gestalten lassen wird. Wer sich jedoch an dieses Abenteuer wagt, wird
im entsprechenden Umgang mit diesen, sozusagen „multivalent“
konzipierten, kleineren Schalmeien, noch etwas ganz Bestimmtes
beachten müssen. Wenn er seine vielleicht genau auf 440 Herz
eingestimmte Dudelsack-Melodiepfeife zunächst innerhalb eines
Musikstückes mit Dudelsack oder Windkapsel eingesetzt hat und
dann also auch noch mit direktem Lippenansatz spielen möchte,
so sollte er dafür dann den Tongenerator seiner Schalmei etwas
tiefer in das Instrument einführen, - es also nun entsprechend
„umstimmen“. Auf diese Weise wird er es dann auch mit
Hilfe eines gut trainierten Lippenansatzes entsprechend „stimmig“
weiterspielen können. Bei dieser dafür notwendigen
Verfahrensweise wird sich dann auch die hier von mir besonders zu
empfehlende, zusätzlich aufgesetzte Feinstimmeinrichtung als
vorteilhaft erweisen können. Diesmal nicht, weil damit etwa der
entsprechende Tongenerator sicher geschützt innerhalb des
Instrumentes verbleiben könnte – denn gerade das kann er
ja nun, wenn er mit direktem Lippenansatz genutzt werden soll, nicht
mehr - sondern deswegen, weil die für diesen Ansatz zuvor
einzurichtende Positionsveränderung des Tongenerators, jetzt mit
Hilfe dieser Zusatzeinrichtung, weitaus sicherer und auch
entsprechend einer zuvor dort genau zu markierenden Position ganz
exakt ausgeführt werden kann. Eben sicherer als ohne diese
Feinstimmeinrichtung.
All
dies werde ich nun versuchen Ihnen an diesem in Bb gestimmten
Instrument auch vorzuführen. Was ich damit an dieser kleineren
Schalmei in Bb verdeutlichen will, kann natürlich auch in Bezug
auf die nun hier noch zu behandelnde kleine C- Melodiepfeife bedacht
werden, wobei ich dazu sogleich anmerken möchte, dass bei diesem
besonders kleinen Instrument, gerade das Anblasen mit Lippenansatz,
wiederum noch problematischer werden kann, also noch weitaus
intensiver trainiert und „erübt“ werden muss.
Wenn
ich nun noch weiter über dieses besonders kleine Instrument in
C-Stimmung spreche, so muss ich auch auf weitere Besonderheiten und
Unterschiede zwischen der großen G-Schalmei und diesen beiden
kleineren Instrumenten in Bb- und C- Stimmung hinweisen. Und dazu
muss ich nun auch wieder etwas weiter ausholen.
Meine
ersten Versuche der Herstellung einer entsprechenden kleineren
Schalmei in Bb erfolgten - ebenso wie bei meiner großen
G-Schalmei - anfänglich natürlich mit ganz normalen
Oboenrohren, welche allerdings jeweils für den Windkapselansatz
„speziell zurechtgeschabt und eingerichtet“ werden
mussten. Insofern verwendete ich dabei natürlich auch immer
wieder die dafür üblichen konischen Messinghülsen
dieser Tongeneratoren. Also eben solche konischen Messinghülsen,
welche man normaler weise von jedem Oboisten, oder auch im
Musikinstrumentenhandel erhalten konnte. Dabei musste ich aber
alsbald die Erfahrung machen, dass einem da auch durchaus
signifikante Mensurunterschieden bei diesen Tongeneratoren begegnen
können und zuweilen war dann in der DDR auch die Rede davon,
dass es eben unterschiedliche Lehrmeinungen im Hochschulfach Oboe
(etwa in Berlin, Leipzig oder auch Dresden und Weimar etc.) gäbe,
was sich dann auch auf bestimmte Unterschiede bei diesen
Tongeneratoren auswirkte. Solche Unterschiede – wie sie in etwa
auch begründet sein mögen – konnte man leicht an den
verschiedenen Gesamtlängen solcher Oboenrohre feststellen, dann
aber auch, sobald man eben näher in dieses Problem, bzw. dann
auch in diese Tongeneratoren selbst „eindrang“, in
signifikanter Weise hinsichtlich der da verwendeten konischen
Messing- oder Neusilberröhren vermerken, wo ebenfall
unterschiedliche Längen, aber auch ganz unterschiedliche
Qualitäten in Gebrauch waren. Aus meiner Sicht handelte es sich
da bei den überaus exakten konischen Oboenhülsen der Firma
Klopfer, um das Beste was man überhaupt bekommen konnte.(07)
Aber
letztlich eigneten sich doch – trotz dieser zu vermerkenden
Maßhaltigkeits- und Qualitäts-Unterschiedlichkeiten - mehr
oder weniger alle für Oboe vorgesehenen konischen Metallhülsen
ohne große Veränderung, für die Herstellung von
Tongeneratoren für meine G-Schalmeien.
Von
solchen, also innerhalb der „Varianzbreite“ von
Oboentongeneratoren mensurierten, Metallhülsen bin ich dann auch
bei der Herstellung von Tongeneratoren für meine ersten kleinen
Schalmeien in Bb ausgegangen und bin damit zunächst auch
einigermaßen zu recht gekommen, - aber alsbald eben auch auf
erhebliche Schwierigkeiten gestoßen. Schwierigkeiten, die sich
auch dann nicht bewältigen ließen, wenn man diese Hülsen
etwa kürzte. Insbesondere bei meinen Bestrebungen nun auch einem
solchen kleineren Instrument musikantisch nutzbare
„Überblaseigenschaften“ zu entlocken, ergaben sich
immer wieder bestimmte Probleme. Bei den größeren
Schalmeien war dies ja weitaus unproblematischer.
Zu
diesen kleinen Schalmeien in Bb, mit denen ich dann zusammen mit
meiner Gruppe, neben vielen öffentlichen Auftritten, auch
bestimmte Studioaufnahmen für den Rundfunk der DDR machen
konnte, hatte ich aber bereits angemerkt, dass diese Instrumente
damals letztlich doch auf kein weiteres Interesse innerhalb der
neueren Musikfolkloreszene der DDR gestoßen sind.
Das
verhielt sich nun in Hinsicht auf den Wunsch nach einer kleinen
Schalmei in C-Stimmung völlig anders. Etwa in der zweiten Hälfte
der achtziger Jahre entstand da ein deutliches Bedürfnis nach
einem solchen kleineren Instrument, welches sowohl als
tonartverwandtes Ergänzungsinstrument zur inzwischen allgemein
üblichen Schalmei in G, aber eben auch als Instrument mit einer
wiederum besonders „praktikablen“ Tonart und letztlich
eben auch als ein handliches, sympathisches „Kleininstrument“
(etwa wie die damals auch in der DDR unter den Neofolkloristen immer
beliebter werdenden kleinen irischen Blechflöten von D bis G)
durchaus erwünscht wurde. Jedenfalls sind mir solche
Wunschvorstellungen desöfteren seitens verschiedener
folkloristisch orientierter Instrumentalisten, die eben an einer
Schalmei in Bb nicht, oder kaum interessiert waren, begegnet.(08)
Ich
weiß nun weder ob andere, damals auf die DDR-Folkloreszene
orientierte Dudelsack- und Dudelsackmelodiepfeifen Hersteller, von
denen es ja zu diesen „Vor-Wendezeiten“ bereits mehrere
gab, damals noch in dieser Richtung aktiv geworden sind, und ich weiß
(eben auch auf Grund der sich alsbald rapide verändernden und
mich dann auch in besonders stringenter Weise bereffenden
Veränderungen der politischen und kulturellen Verhältnisse)
schon gar nichts mehr darüber, ob es dann auch nach 1990 etwa in
Ostdeutschland noch erfolgreiche Bemühungen um ein solches
„Kleininstrument“ gegeben hat. Von mir selbst aber weiß
ich, dass mir dieses zunächst ganz optimistisch angegangene
Vorhaben, zu DDR-Zeiten überhaupt nicht gelingen wollte. Mir
schien, dass ein in dieser Größenordnung erwünschtes
solides Schalmeieninstrument mit den eigentlich doch für Oboe
konzipierten konischen Metallhülsen, kaum noch optimal zu
verwirklichen sein wird. Die Schwierigkeiten bzw. die entsprechenden
„musikinstrumentellen Konstruktions-Begrenztheiten“, die
sich da bereits bezüglich meines Instrumentes in Bb abgezeichnet
hatten, schienen mir nun, bei dem weitaus kleineren C-Instrument noch
deutlicher hervorzutreten. Bei diesem Instrument stand ich also
alsbald vor einer ähnlichen Situation, wie bei den
Tongeneratorhülsen für meine zylindrischen Schalmeien, über
die ich in meinem letzten Vortrag ausführlicher gesprochen habe.
Ich musste versuchen, nun eine Firma zu finden die mir ganz
spezielle, entsprechend kürzere und eben auch dünner
auslaufende, konische Tongeneratorenhülsen nach meinen Angaben
herstellen konnte, damit ich dieses Vorhaben auch weiter verfolgen
konnte. Und unter den nach 1990 völlig andersartigen
sozialökonomischen Bedingungen, war mir dies nun auch möglich.
Freilich nur – wie bereits hinsichtlich der von mir georderten
zylindrischen Präzisionsröhren vermerkt – mit einem
für mich geradezu unsinnig hohem Kostenaufwand, den ich dann
auch noch dadurch „preislich sinnvoller“ zu gestalten
versuchte, dass ich letztlich mehr solcher Hülsen geordert habe,
als ich je zu meinen Lebzeiten sinnvoll verbrauchen könnte…(09)
Zu diesen, dann für diese kleinen Instrumente
unverzichtbar werdenden Spezialhülsen, aber muss ich mir nun die
Frage stellen, ob sie möglicherweise die kleinsten sind die je
in dieser technisch exakten Weise, massenhaft, gleichartig
mensuriert, für solche Musikinstrumente produziert wurden? Ob
also so etwas in der entsprechenden Geschichte des
Musikinstrumentenbaues schon vorgekommen sein mag? Ob es sich dabei
möglicherweise also auch um etwas handelt, was es so in dieser
Feinheit bislang noch nicht gegeben hat. Ich kenne jedenfalls kein
als einen speziellen Typ zu betrachtendes Schalmeieninstrument mit
entsprechend vergleichbar hergestellten kleinen konischen
Tongeneratorhülsen. Freilich, kann man auch auf der Basis
handarbeitlicher Einzelanfertigung derartig dimensionierte Hülsen,
jederzeit, einfach aus dünnem Blech, herstellen, und dies ist in
der Geschichte des Dudelsackbauens sicherlich auch schon vorgekommen,
denn wir finden da schließlich auch noch höher gestimmt
ausfallende kleine konische Dudelsackmelodiepfeifen. Mir aber war
die Verfügungsmöglichkeit über möglichst mehrere
bzw. auch viele solcher, möglichst gleichartig
exakt-maßhaltiger konischer Metallhülsen, im Sinne meines
stets auch auf bestimmte vergleichende Experimente und entsprechende
„Experimentalmodelle“ abzielenden vergleichsanalytischen
Wissenschaftskonzeptes wichtig. Letztlich konnte ich dann auch nur
mit diesen, für meine C-Schalmei unverzichtbar gewordenen
Hülsen, auch wesentliche Verbesserungen an der vorliegenden,
etwas größeren Schalmei in Bb erreichen. Und mit dieser
Aussage kann ich nun auch einen bestimmten Bogen meiner bisherigen
Darstellung wieder „zurück schlagen“.
Denn
einleitend hatte ich heute ja zunächst solche Besonderheiten
aufgezählt, die sich bei allen meinen hier vorgestellten
konischen Schalmeien finden lassen, und ich kann nun - nachdem ich
Sie mit allerlei organologisch relevanten Querelen technischer,
sozialökonomischer und kulturpolitischer Art konfrontiert habe -
auch zur entsprechend verdeutlichenden Hervorhebung von wiederum
solchen Besonderheiten kommen, die nur bei bestimmten dieser
Instrumente anzutreffen sind. Und dies bezieht sich nun, was diese
beiden kleineren Instrumente betrifft, im Wesentlichen auf zwei
weitere Besonderheiten. Einmal auf diese, besonders kleinen konischen
Tongenerator-Metallhülsen, welche ich nun für beide
Instrumente, also die kleine Schalmei in C und auch für das
etwas größere Instrument in Bb, verwende und andererseits
auf die an diesen beiden Instrumenten angebrachten besonderen
Schallbecher.
Dazu
hatte ich bereits gesagt, dass alle meine derartigen Instrumente über
verschiebbare bzw. drehbare Schallbecher verfügen, muss nun
aber die entsprechenden Unterschiede und Besonderheiten deutlich
machen.
In
Hinsicht auf die große Schalmei in G hatte ich Ihnen bereits
zwei unterschiedliche Schallbecher gezeigt, die sich aber deutlich
von den Schallbechern der beiden kleineren Instrumente unterscheiden,
welche wiederum gleichartig sind. Der besondere Vorteil dieser
gleichartigen Schallbecher gegenüber den bereits an der
G-Schalmei gezeigten, besteht nun darin, dass in diesen jeweils auch
die Tonlochbohrung für den kleinen Finger der unteren Spielhand
untergebracht ist, und man somit die vorteilhafte Möglichkeit
hat, die jeweils bequemste Griffposition für diesen Finger,
selbst zu bestimmen und genau einzustellen. Ein aus meiner Sicht und
Erfahrung ganz wesentlicher Vorteil gegenüber anderen
vergleichbaren Instrumenten. An der großen G-Schalmei, wo sich
das für diesen Finger zuständige Tonloch oberhalb des
Schallbechers befindet, also feststehend im Instrumentenkörper
eingebracht wurde, ist dieses Problem eigentlich ungelöst. Ein
deutlicher Nachteil dieses Instrumentes. Dabei kann ich auch auf
meine Erfahrungen innerhalb der „Deutschen Dudelsackspieler
Runde“ verweisen, wo sich, entsprechend den DDR-spezifischen
Strukturbesonderheiten dieser, sich immer wieder unterschiedlich aus
vielen Dudelsackspielern zusammensetzenden Spielergemeinschaft, auch immer wieder zeigte, dass manche Hände (zuweilen
eben auch die manchmal kleineren Hände von weiblichen
Dudelsackspielern) mit dieser doch sehr gestreckten
Grifflochanordnung, gerade bei der untersten Tonlochbohrung, oft nur
schlecht zurecht kommen konnten. Und bei diesen Instrumenten ließ
sich dieser, eben auch von mir zu beklagende Nachteil, auch nicht
durch entsprechende Schallbecherformen ausgleichen. Die beiden hier
verwendeten Schallbecher für dieses größere
Instrument, sind aus gänzlich anderen Motivationen heraus in
unterschiedlichen Formen entstanden.
Wie
ich bereits gesagt und gezeigt hatte, waren meine ersten G-Schalmeien
zunächst mit dem aus Holz gedrechselten
trompetenschallbecherförmigem Schallbecher ausgerüstet,
welcher sich auch im Falle einer zuweilen durch unterschiedliche
Tongeneratoren bedingten Unstimmigkeit der tiefen Töne,
„nachstimmend“ verschieben lässt. Aber das war nicht
der Hauptgrund für dessen Gestaltung.
Ich
sehe ihn heute eher als ein damals aus formgestalterischen Gründen
entstandenes Produkt meiner drechslerischen Eitelkeit an, denn es hat
mir bei dieser Handwerkstechnik natürlich besondere Freude
bereitet, so etwas letztlich doch auch zustande bringen zu können.
Etwas, was nicht allzu leicht herzustellen ist - dann aber auch gut
aussehen kann. Und ich habe dies dann, neben vielen anderen
Dudelsackherstellungstechniken, auch viele Jahre lang immer wieder an
meinem ambulanten Drechselstand, auf den unterschiedlichsten
Volksfesten, sowie vielen speziellen Folkloreveranstaltungen in der
DDR, bis hin dann auch zu bestimmten „Mittelalter-Events“,
vorgeführt
und propagiert.(10) Gerade die Besucher und Gestalter letzterer
Veranstaltungen waren sich zumeist sicher, dass diese
Schallbecherform an einer Dudelsackpfeife sowohl als „original
deutsch“ als auch als „original mittelalterlich“
anzusehen sei. Inzwischen habe ich aber - keineswegs nur wegen meines
prinzipiell skeptischen Blickes auf derart fest gefügte
Vorurteilshaltungen - meine entsprechende Schallbecherauffassung für
dieses Instrument geändert und favorisiere aus bestimmten
Gründen eher die zweite hier gezeigte Schallbecherform meiner
G-Schalmei. Die erste halte ich inzwischen auch deswegen für
nachteilig, weil damit eine besondere Lautstärke der unteren
Töne zustande kommt, die mir alsbald nicht mehr als günstig
für ein ausgeglichenes Dudelsackklangbild erschien. Das war
sozusagen ein „Erfahrungseindruck“ den ich insbesondere
beim Anhören von Tonaufnahmen erleben konnte, aber auch schon
zuvor, im Eifer vieler Gefechte öffentlichen Musizierens,
wahrgenommen hatte. Außerdem aber habe ich bei meiner
nunmehrigen Schallbecherkonzeption, die auf Grund einer entsprechend
anderen Innenform in dieser Hinsicht auch ganz anders wirkt, noch an
bestimmte weiterführende spieltechnische Möglichkeiten
gedacht. Was ihre äußere Form betrifft, so ist vielleicht
interessant zu bedenken, dass diese immer wieder auf bestimmte
Protesthaltungen gestoßen ist, denn so eine, doch
offensichtlich „nur von den Schotten übernommene“
Scheibenform am Schallbecher, erschien manchem Dudelsack-Fan nun
wieder als „nicht so richtig deutsch“, sowie auch als
„nicht so richtig mittelalterlich“ und meine Haltung,
dass selbstverständlich alle Dudelsäcke die ich baue,
irgendwie letztlich doch „deutsche Dudelsäcke“ sind,
da ich mir niemals vorgenommen hatte, etwa irgend einen (und so eben
auch keinen etwa irgendwie als „original
altdeutsch-mittelalterlich“ anmutenden) Dudelsack jemals zu
kopieren, konnte natürlich weder von bestimmten
Folkloremusikanten, noch von bestimmten „akademisch befugten“
Folklore-Wissenschaftlern, geduldet oder akzeptiert werden.
Ganz
unabhängig von derartigen Parteiungen, die beim Thema Dudelsack
immer wieder ganz erstaunliche Zuspitzungen zustande bringen können,
möchte ich nun meine gänzlich anders motivierte Haltung zu
dieser „scheibenförmigen Formgestaltung“ dieses
Schallbechers verdeutlichen.
Zunächst
glaube ich sicher zu sein, dass derartige Formen von Schalmeien in
der wirklichen Geschichte solcher Instrumente nicht nur bei den
weltbekannten schottischen Instrumenten anzutreffen sind, sondern
auch anderswo vorkamen. Aber ich muss auch sagen, dass dies für
mich eben nicht entscheidend ist.
Wenn
Sie nun diese Scheibe genauer betrachten, so lässt sich an ihrer
Unterseite der etwas herausragende Rand der Metallröhre
erkennen, auf welcher sie aufgebracht ist. Und über diese
Besonderheit, die gar nichts mehr mit schottischen Dudelsäcken,
aber sehr viel mit entsprechenden irischen Instrumenten zu tun hat,
möchte ich Sie nun näher informieren. Es ist eine
Besonderheit, die vor allem bei der Verwendung des Instrumentes als
eine in spezieller sitzender Haltung gespielte Dudelsackpfeife zur
Geltung kommen kann. Also genau in der Spielhaltung wie man sie von
der großen „Irish Union Pipe“ kennt. Wenn ich nun
in dieser Haltung die Schallbecherscheibe schräg am Oberschenkel
ansetze, so kann ich mit bestimmten Schwenk- und
Annäherungsbewegungen, sowohl ein bestimmtes Vibrato, als dann
auch noch einen weiteren Halbtonschritt nach unten erklingen lassen.
Diese dafür nötigen „Annäherungsbewegungen in
Schräghaltung“ können nun, mit Hilfe einer solchen
„Schallbecherscheibe“ weitaus besser, als etwa mit dem
zuvorigen, sich weit öffnenden Schallbecher gestaltet werden.
Und außerdem kann dieser Röhren-Schallbecher nun auch
unmittelbar gerade bzw. „senkrecht“ aufgesetzt werden,
wobei dann mittels des unter der Scheibe befindlichen Rohrrandes,
seine gesamte Öffnung auf eine sichere Weise dicht verschlossen
werden kann. Auf diese Weise können nun – ebenso wie an
der Irish Union Pipe - sowohl bestimmte Abschalt- und Stakkatoeffekte
(etwa wenn alle anderen Tonlochbohrungen geschlossen werden) als auch
ein bestimmtes, dudelsackspezifisches Vibrato (wenn also einige
Tonlochbohrungen geöffnet sind) sowie auch (beispielsweise mit
besonderen Kombinationsgriffen) bestimmte Intonationsregulierungen
realisiert werden. Dass bei all diesen Funktionserweiterungen
natürlich das Vorbild der großen irischen Dudelsackpfeife
eine Rolle für mich gespielt hat, liegt auf der Hand. Ich kann
dazu aber außerdem sagen, dass ich bei der Weiterentwicklung
dieses Schalmeieninstrumentes, welches ja in seiner jetzigen Form
weitaus mehr Besonderheiten aufzuweisen hat, als meine ersten
Dudelsackpfeifen in G, auch in anderer Weise an die von mir
bewunderte irische Dudelsackspielpfeife gedacht habe. Von Anbeginn
meiner Beschäftigung mit den Problemen einer solchen konischen
Dudelsackmelodiepfeife, hat stets auch der Gedanke, dass eine solche
Pfeife in G doch letztlich auch einmal mit der tieferen, in D
stehenden Melodiepfeife des Irischen Dudelsackes (welcher doch
ebenfalls in G-Dur gespielt werden kann) kombiniert werden könnte,
um dabei dann sowohl zweistimmig, als auch hinsichtlich ihrer
allerhöchsten Tonlagen, entsprechend ergänzend,
mitzuwirken, stets eine wesentliche Rolle für mich gespielt.
Da
sich meine Pfeife mit Hilfe eines gut geratenen Doppelrohrblattes nun
auch am Dudelsack durchaus in der zweiten Oktave bis zum hohen G
hochtreiben lässt, übertrifft sie dabei (da sie in der
Tiefe schließlich noch über das Fis für den kleinen
Finger der rechten Hand, und dann mit ihrem entsprechend schräg
am Oberschenkel angesetztem Schallbecher, sogar noch über das
darunter liegende F verfügen kann) durchaus auch den zwei
Oktaven umfassenden Tonumfang des irischen Chanters.
Mit
all diesen Schallbechererklärungen zu meiner G-Schalmei habe ich
nun bereits zwangsläufig begonnen auch bestimmte Besonderheiten
meiner Dudelsäcke vorzustellen. Und da kann ich wiederum sofort
auf ein weiteres Detail verweisen, welches offensichtlich ebenfalls
ähnlich wie bei der großen „Irish Union Pipe“
gestaltet ist, und welches Ihnen wohl auch schon entsprechend an dem
soeben mit meiner G-Schalmei vorgeführtem Dudelsackinstrument
aufgefallen sein mag. Ich meine den besonderen, hier aus Metallröhren
hergestellten, „Winkelhals-Kopf“ am Hals meines
Dudelsackes, also die spezielle Fassung in welche ich soeben die
Melodiepfeife des Instrumentes eingesteckt hatte. Insofern möchte
ich also nun auch zur Besprechung von einigen Besonderheiten meiner
Dudelsackinstrumente übergehen und stelle Ihnen dabei heute nur
die mundgeblasenen Instrumente vor, - also die, welche auch ohne
einen zusätzlichen, dann auch am anderen Arm zu bedienenden
Blasebalg, auskommen können.
Dabei
möchte ich dies in Form von drei deutlich zu unterscheidenden
Problembereichen tun.
Erstens möchte ich zu den Besonderheiten des Sackes und der dabei verwendeten Materialien sprechen und mich
zweitens zu den entsprechenden Besonderheiten der in diesen Sack einzubindenden Instrumentenelemente, also zur Konzeption verschiedener dortiger Buchsen äußern,
und drittens möchte ich zu den Besonderheiten der wiederum dort, also in diese Buchsen zusätzlich einzusetzenden Verbindungsstücke, d.h. zu den entsprechenden Fassungen für das Mundrohr mit Ventil, die entsprechenden Bordunpfeifen, sowie eben auch – wie ja bereits vorgeführt und kommentiert – zur besonderen Fassung der Melodiepfeife sprechen.
Wenn
Sie dieser Aufzählung nun aufmerksam gefolgt sind und sich in
etwa bereits über die Grundkonstruktion eines mundbeblasenen
Dudelsackinstrumentes im Klaren sind, so kann Ihnen auch schon
aufgefallen sein, dass die von mir hier unter „Drittens“
genannte Position, also die zusätzlichen Fassungen in den
sackeingebundenen Buchsen des Instrumentes, doch normalerweise bei
vielen der üblichen Dudelsackinstrumente, denken wir
beispielsweise wieder an die große schottische „War
Pipe“, gar nicht vorkommen. Und gerade diese schottischen
Instrumente werden doch im allgemeinen nicht nur als besonders
typische, sondern oft auch als besonders hoch entwickelte und
perfekte Dudelsackinstrumente angesehen. Instrumente bei denen ja
auch – zweifellos ganz traditionell - sowohl das
Ventilmundrohr, als auch die Melodiepfeife und dann auch alle
einzelnen Bordunpfeifen, jeweils einfach nur in die ins Sackmaterial
eingebundenen Buchsen gesteckt werden. Eine zweifellos
dudelsackspezifische und traditionell-authentische
Instrumentenkonzeption, die ich aber von meinen Erfahrungen als
Dudelsackspieler her doch für überaus nachteilig halten
muss und dann als Dudelsackbauer bei meinen Instrumenten auch
entsprechend ablehne.
Darauf
werde ich also noch im Einzelnen näher einzugehen haben, möchte
nun aber der Reihe nach, also entsprechend meiner Aufzählung
von verschiedenen „Problembereichen“, vorgehen.
Anfänglich
hatte ich meine Dudelsäcke aus Ledermaterialien, welche mit
einer Silikonbeschichtung völlig abgedichtet wurden,
hergestellt(11), bin aber später
dazu übergegangen auch mit einem bestimmten, in der DDR leicht
erhältlichem, PVC beschichteten Gewebematerial zu
experimentieren. Ein ideales Material, welches sich sowohl leicht
vernähen, als auch mit speziellen Chemikalklebstoffen gut
verkleben und perfekt abdichten ließ, mir aber dann, nach 1990
auch nicht mehr zur Verfügung stand. Wenn ich heute an die
Protesthaltungen, die mir dazu damals bei bestimmten Traditionalisten
in der DDR begegnet sind,(12)denke, so bin ich durchaus erleichtert, inzwischen zu
hören, dass selbst bei den doch sehr traditionellen schottischen
Instrumenten inzwischen ebenfalls zuweilen derartige Kunststoffe, bis
hin auch zu solchen Hihg-Tech-Materialien wie „Goretex“,
verwendet werden. Aber ich hatte auch damals schon erfahren können,
dass beispielsweise bestimmte Dudelsacktraditionalisten in
Westdeutschland in dieser Frage ebenfalls praktischer und
realistischer handelten. So konnte ich aus den Bauanleitungen von
Tibohr Ehlers, den ich für seine Initiativen zur Erhaltung und
Belebung des Spiels mit dem Egerländer Dudelsack in Schwaben,
immer aus der Ferne bewundert habe, und leider erst 1989 persönlich
kennen lernte, entnehmen, dass dort eben einfach die Verwendung von
Autoschläuchen für die Herstellung der inneren Säcke
dieser traditionellen deutschen Volksmusikinstrumente, empfohlen
wurde.(13)
Was
nun aber meine „äußeren Säcke“, also die
entsprechenden Überzüge über den inneren, zweifellos
zumeist unansehlichen, aber eben völlig luftdichten und
strapazierfähigen „PVC-Sack“ anbelangt, so habe ich
alsbald den aus traditioneller Sicht immer wieder nahe liegenden
Gedanken, dort auch bestimmte Naturfelle oder entsprechende
Fellimitate, zu verwenden, verworfen(14) und letztlich dann stets
auf ein bestimmtes Samtmaterial zurückgegriffen, welches mir
insbesondere deswegen als vorteilhaft erschien, weil es - eben im
deutlichen Unterschied zu Tierfellen – eine sicherere, nicht so
leicht verrutschende Halteposition des Sackes unter dem Arm
ermöglichte. Was nun die Größe meiner Säcke
anbelangt, so tendierte ich im Laufe der Jahre zu einer Form, die
etwa den üblichen schottischen, französischen oder auch
bestimmten böhmischen Dudelsäcken entsprach, aber
hinsichtlich ihres Volumens dann letztlich doch kleiner ausfiel. Aber
dies hängt wohl auch wieder damit zusammen, dass ich in dieser
Frage schon alsbald, eben wieder ganz im Gegensatz zu den Ansichten
bestimmter Traditionalisten(15) oder auch anderer verbreiteter
Dudelsackvorurteilen, zu der Meinung gelangte, dass ein besonders
großer Sack keineswegs besonders vorteilhaft sei. Weder –
was manchmal betont wurde – hinsichtlich besserer und
„vollerer“ Borduntöne, noch etwa, wie allzu leicht
und gerne angenommen wird, in Bezug auf entspanntere Bedingungen für
das Luftholen am Dudelsack. Ich möchte eher Wert auf einen stets
möglichst prall gefüllt zu drückenden Sack legen.
Möglicherweise
könnten insofern also meine entsprechenden Säcke auch für
manchen Spieler als etwas ’zu klein’ geraten erscheinen.
Was
nun aber alle die Elemente betrifft, die in einen solchen Sack
eingebunden werden müssen, so bin ich ebenfalls alsbald von den
ansonsten üblichen Buchsen aus Holz abgegangen. Auch wenn sich
solche aus diesem Material jederzeit leicht drechseln und dabei auch
in traditioneller Weise als optisch attraktive Dudelsackelemente
gestalten lassen, so haben sie doch den prinzipiellen Nachteil, dass
sie insbesondere unter Feuchtigkeitseinfluss, immer wieder ihre
Maßhaltigkeit verlieren bzw. verändern, oder eben auch
entsprechend reißen können.
Buchsen
aus bestimmten Plastematerialien sind hingegen sowohl belastbarer als
auch reißfester, bleiben exakt maßhaltig, sind zudem
weitaus leichter und können letztlich auch weniger „klobig“
in das Sackmaterial eingebunden werden. Ich habe also alsbald nach
bestimmten, entsprechend gestalteten „Flaschenhalsteilen“
bestimmter Kunststoffflaschen Ausschau gehalten und dann, vor allem
ab 1989, grundsätzlich nur noch entsprechende Buchsen aus den
Köpfen von Kunststofflaschen im „Coca-Cola-Kaliber“
verwendet. Dies würde ich nun, auch wenn gerade so etwas
manchem Traditionalisten vielleicht als besonders schändlich
erscheinen mag, als eine besonders günstige Lösung aller
damit zusammenhängender Buchsenprobleme am Dudelsack, eigentlich
jedem Dudelsackhersteller empfehlen wollen, wobei ich sogleich
deutlich darauf hinweisen muss, dass sich die dann nötig
werdende feinere Bearbeitung solcher „Flaschenhalsbuchsen“,
auch überaus problematisch gestalten kann, und mir letztlich nur
mit Hilfe von besonderen Spezialwerkzeugen zur Metallbearbeitung,
gelungen ist.(16)
Das
heißt also nun, dass bei meinen mundbeblasenen Dudelsäcken
in der Regel zwei solcher Flaschenhalsbuchsen ins Sackmaterial
eingebunden werden. Die Buchse für die Aufnahmefassung eines
speziellen Ventilstückes, auf welches dann auch das
Mundblasrohr, also die „Windkapsel“, aufgesetzt werden
kann, muss im vorderen Teil des Sackes, leicht seitlich versetzt,
eingebunden werden. Die Position der anderen Buchse, welche dann für
die Aufnahme der Bordunfassung gedacht ist, kann aber nun
unterschiedlich sein. Entweder bevorzugt man eine Spielhaltung bei
der die Bordunpfeifen des Instrumentes nach oben gerichtet sind, so
wie wir das eben als weitverbreitetes Dudelsackbild auch von
schottischen Spielern im Sinn haben, oder man bevorzugt – wozu
wiederum ich neige – die Haltung der Bordune nach vorne, die
sich ebenfalls bei vielen traditionellen Instrumenten finden lässt.
Diese hat meiner Meinung nach den Vorteil einer besseren
Übersichtlichkeit sowie der leichten Erreichbarkeit dieser
Bordunpfeifen beim Einstimmen des Instrumentes. Für diese beiden
Fälle von Bordunhaltungen, wird die Position der entsprechenden
Buchse also im oberen Teil des Sackes, hinter dem Anblasrohr gewählt
werden müssen. Es gibt aber auch die Möglichkeit ihrer
seitlichen Einbindung in den Sack, wenn wir eine dementsprechende
Position der Bordunpfeifen vorziehen wollen. Diese finden wir
beispielsweise bei der Northumbrian Small Pipe, aber auch bei anderen
westeuropäischen und bestimmten osteuropäischen
Dudelsäcken, bei denen die Bordunpfeifen manchmal sogar einfach
nach unten hängen können. Ich habe die seitliche
Bordunposition (insbesondere auch so, dass die Bordune dabei auf dem
rechten Unterarm zu liegen kommen) ebenfalls oft benutzt, und
insofern diese „Bordun-Buchse“ eben auch bei
mundbeblasenen Dudelsäcken manchmal seitlich im Sack
eingebunden.(17)
Die
dritte nun noch zu besprechende Buchse befindet sich natürlich
im Sackhals. Gerade dort, wo es besonders feucht werden kann, sollte
sich dann auch eine Buchse aus Plastematerial befinden, wobei ich
dafür jedoch einen kleineren Durchmesser und auch eine ganz
andere Form bevorzugt habe, bei welcher ich mit
“Flaschenhalsmaterialien“ nichts mehr anfangen konnte.
In
die Hälse meiner Dudelsäcke wird also ein etwas längeres,
flexibles Stück Schlauchmaterial eingebunden, welches soweit in
den Sackhals hineinreichen sollte, dass dort auch stets (also auch im
Falle eines möglichen Verwindens, Verquetschens oder Abklemmens
dieses schlanken Halses) eine gleichmäßig gesicherte
Luftzufuhr für die Melodiepfeife garantiert werden kann. Im
vorderen Teil dieses Schlauchstückes befindet sich dann aber
wieder eine Buchse aus festem Plastematerial, welche jeweils genau
passend für die Aufnahme des Ihnen bereits vorgeführten
Winkelhals-Kopfstückes für die Melodiepfeife, eingerichtet
wurde.
Damit
komme ich nun zum „dritten Problembereich“, d.h. zu den
jetzt zu erläuternden zusätzlichen „Verbindungsstücken“,
bzw. den „Fassungen“, die jeweils in all diese
Sackbuchsen einzusetzen sind und sich dabei insgesamt als eine
weitere Besonderheit meiner Instrumente erweisen.
Denn
– wie bereits gesagt – sind derartige, von mir für
wichtig erachtete Kombinationen, keineswegs typisch für die
bisherige Geschichte der Dudelsackherstellung.
Auch
die Melodiepfeifen von Dudelsäcken werden oftmals einfach nur
in eine entsprechend im Sackhals eingebundene einfache Buchse
gesteckt.
In
diesem Sinne möchte ich also wieder auf das bereits erwähnte
Winkelhals-Kopfstück für die Melodiepfeife zurückkommen.
Dessen
vorteilhafte Besonderheit besteht beim meinen mundbeblasenen
Instrumenten nun darin, dass sich damit sowohl eine günstigere
Spielhaltung der Melodiepfeife am Sack ergibt, als auch darin, dass
sich durch diese, im Zusammenhang mit der Sackhalsbuchse
konstruktionsbedingte Spielhaltung der Melodiepfeife, auch eine stets
sichere Luftzufuhr gewährleisten lässt. Außerdem aber
ergibt sich dabei auch ein wesentlicher Vorteil hinsichtlich des
sicheren Umgangs mit der Melodiepfeife, sobald diese vom Sack
abgenommen werden soll.
Ein
mundgeblasener Dudelsack sollte meiner Meinung und meiner Erfahrung
nach, stets nach dem Spiel auseinander genommen, entwässert und
zum weiteren Austrocknen vorbereitet werden. Dieses Problem ist nun
bei Dudelsackexperten im Zusammenhang mit entsprechenden Tipps zur
Abdichtung von Säcken, eines der Themen, bei denen es immer
wieder ganz erstaunliche und auch ganz unterschiedliche Auffassungen,
Legenden, und Behauptungen zu bestimmten Spezial-Rezepten (bis hin zu
Whisky und Bienenhonig u. a.) und dadurch wunderbar zu optimierende
Sackmaterialeigenschaften gibt, von denen gewiss auch einige in der
bisherigen Geschichte des Instrumentes ihre entsprechende Rolle
gespielt haben mögen, von denen allen ich aber überhaupt
nichts halten möchte und dabei auch nicht zu erkennen vermag,
was da etwa unter heutigen Verhältnissen wirklich noch von
effektivem Nutzen sein könnte. Meine Meinung, die hier gewiss
auch vorurteilshaft sein mag, geht hingegen dahin, dass letztlich ein
effektives Austrocknen des Sackes nach feuchtem Spiel, wohl gerade
bei Säcken aus solchen wie den von mir verwendeten Materialien,
immer zu empfehlen sein wird. Und in diesem Sinne wollte ich also
auch immer, sowohl die Melodiepfeife, als ebenso auch alle
Bordunpfeifen und das Ventilmundrohr, nach dem Spiel mit möglichst
einfachen Handgriffen und dabei möglichst geschützt, aus
dem Sack entfernen können, um diesen damit effektiv austrocknen
zu lassen. Und in dieser Weise, - also durch die hier konzipierte
Kombination von Buchsen und Fassungen, können dann auch alle
diese Teile entsprechend „fassungsgeschützt“, sowohl
zum Trocknen, als eben auch zum gefahrlosen Aufbewahren bzw. zum
Transport des Instrumentes, abgenommen und abgelegt werden. Denkt man
hingegen an Dudelsäcke der üblichen Art – ich nehme
hier wieder die schottischen Instrumente als Beispiel – so
zeigt sich, dass so etwas dort völlig unmöglich wäre.
Denn auf diese Weise würden da sowohl die Tongeneratoren von
Melodiepfeife und Bordunen, als auch das dann ebenso ungeschützte
Ventil des Anblasrohres, unweigerlich immer wieder der Gefahr einer
alsbaldigen, zerstörerischen Beschädigung ausgesetzt
werden.
Und
noch eine weitere besondere und wohl auch besonders vorteilhafte
Möglichkeit ergibt sich damit. Es lassen sich nun mit diesen
Fassungen, sowohl die Melodiepfeifen als auch die Bordunpfeifen eines
jeden solchen Dudelsackes, jederzeit problemlos, mit wenigen
Handgriffen und in hoher Sicherheit, auch am jeweiligen Sack
austauschen.
Ebenso
wie für die Dudelsackfassung der Melodiepfeife, habe ich auch
für die Herstellung der entsprechenden Bordunfassungen wiederum
Metallröhren bevorzugt, womit diese dann, vor allem bei der
Herstellung von Doppelbordunfassungen, weitaus schlanker gestaltet
werden können, als die vergleichsweise klobigen, hölzernen
Exemplare an den üblichen Dudelsäcken.(18) Natürlich
sind dabei die Herstellungsbedingungen für solche Fassungen aus
Metall ganz andere als die für Holz und die normalerweise
weitaus mehr mit Drechslerarbeiten und Holz befassten Dudelsackbauer
werden gewiss lieber auf ihren traditionellen „hölzernen
Technologien“ beharren wollen.
Zu
diesen metallenen Bordunfassungen meine ich aber, dass sie mit diesem
Material nicht nur schlanker, sondern letztlich auch präziser
und hoffentlich auch haltbarer, gestaltet werden können und sich
solche Metallröhren auch als vorteilhaft hinsichtlich des
jeweils wieder sicheren Einsteckens in die entsprechenden Buchsen des
Sackes erweisen. Im Grunde genommen aber, treffen wir hier, wenn wir
nur die Bordunfassung betrachten (und also einmal von der
Besonderheit ihrer Kombination mit einer Sackbuchse absehen) nur auf
einen bestimmten Materialunterschied sowie eine dadurch bedingte,
maßgenauere Formunterschiedenheit, aber nicht auf eine völlig
andere Konstruktion dieses Instrumentalelementes.
Das
verhält sich nun aber in Hinsicht auf das jetzt noch zu
betrachtende Ventilanblasrohr meiner Dudelsackinstrumente ganz
anders.
Im
Vergleich mit anderen, ansonsten üblicherweise verwendeten
Anblasrohren, haben wir es hier durchaus mit wesentlichen
Konstruktionsunterschiedenheiten und nicht nur mit anderen
Materialien und Formen zu tun.
Dies
möchte ich Ihnen nun noch näher vor Augen führen.
Zunächst
ist leicht zu erkennen, dass der dabei von mir verwendete
empfindliche Ventillederlappen, hier durch die aus einem kurzen
Metallrohrstück bestehende Ventilfassung sicher geschützt
ist und auf diese Weise auch das ganze Mundrohr mit Ventil sofort im
Instrumentenkasten abgelegt und gefahrlos getrocknet oder auch
transportiert werden kann. Sie können aber auch erkennen, dass
die Gesamtkonstruktion dieses Anblasrohres aus drei ganz
unterschiedlichen Hauptelementen zusammengesetzt ist: Also
die wesentlich aus Metall bestehende Ventilfassung, die sich beim Spiel des Instrumentes in der entsprechenden Kunststoff-Buchse des Sackes befinden muss,
dem wesentlich aus Plastematerial hergestellten Ventilkörper mit seinem angebundenen Lederlappen, der sich dann in der entsprechenden Metall-Fassung befindet, und dem
wesentlich aus Holz hergestelltem Anblasrohr mit seinem besonderen Mundstück und der eingelassenen präzise aufgeriebenen PVC- Fassung, mit welcher es auf den Ventilkörper aufgesetzt werden muss, aber auch – wie Sie bereits wissen – in seiner ganz anderen möglichen Funktion als Windkapsel, auf jedes meiner Schalmeieninstrumente aufgesetzt werden kann und in dieser Funktion dann außerdem noch geeignet ist auch eine entsprechende zusätzliche Feinstimmeinrichtung aufzunehmen.
Wenn
ich dies alles nun mit den ansonsten üblichen Anblasrohren
anderer Dudelsackhersteller vergleiche, so muss unweigerlich ein
kolossaler Unterschied vermerkt werden.
Dort
finden sich Anblasrohre, die einfach nur aus einem einzigen Stück
Holz gedrechselt wurden und an deren, dann einfach in eine Sackbuchse
einzusteckendem unteren Zapfen, lediglich ein einfach nur
entsprechend eingeschnittenes, kurzes Schlauchstück oder eine
entsprechende kleine Kappe aus elastischem Silikonkautschuk oder
ähnlichem, als Ventil angebracht werden muss. Also ein
Ventilblasrohr welches im extremen Fall, insgesamt nur aus zwei
unbedingt erforderlichen Elementen (oder eben auch aus dreien -
falls man die nötigenfalls noch am Zapfen anzubringende,
abdichtende Fadenwicklung, noch dazu zählen möchte)
zusammengesetzt sein kann. Und dieses Minimum, welches sich bereits
mit wenigen Arbeitsgängen und einigen einfachen Handgriffen ohne
weitere Umstände realisieren lässt, kann für das
sichere Funktionieren eines solchen Dudelsackventilrohres auch
durchaus ausreichend sein.
Demgegenüber
kann die Konzeption meines, nun zum Vergleich anstehenden
Ventilrohres, welches nicht nur aus weitaus mehr zusammenzusetzenden
Teilen, sondern auch nur mit Hilfe von einer wohl mehr als
hundertfach größeren Anzahl von Arbeitsgängen und
aufwändigen Handgriffen zustande zu bringen ist, als die reine
Unsinnigkeit erscheinen. Als ein nicht nur offensichtlich sehr
zeitaufwändig, sondern doch wohl auch weitgehend mit
überflüssigem Arbeits- und Material- Aufwand zustande
gekommenes Dudelsackelement, welches in seiner Funktion als
Ventilanblasrohr wohl auch kaum besser funktioniert, als das
ansonsten übliche einfache, welches zudem im Sinne dieser
Einfachheit auch noch als das „traditionellere“
ausgegeben werden kann und in seiner „rein hölzernen“
Machart auch wiederum besonders günstig in einer entsprechend
anmutenden Weise, gestaltet werden kann.
Ich
muss mich hier mit meiner ganz offensichtlich völlig anderen
Dudelsackkonzeption also auch einer solchen spannungsgeladenen
Vergleichslage stellen.
Natürlich
werde ich dabei nun auf all die zum Teil bereits geschilderten
Vorzüge bestimmter Funktionsbesonderheiten, wie eben die
verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der Windkapsel
einschließlich der Aufnahme einer dafür genau angepassten
zusätzlichen Feinstimmeinrichtung, die vorteilhaft geschützte
Unterbringung des Ventillappens in der Metallfassung für den
Ventilkörper, oder auch die von mir bei allen solchen Elementen
angestrebten Maßgenauigkeiten im Sinne der Austauschbarkeit
bzw. unproblematischen Ersetzbarkeit aller dieser Einzelelemente an
verschiedenen Dudelsäcken meiner Machart usw. verweisen.
Außerdem
aber, würde ich, speziell am Beispiel des für einen gut
funktionierenden Dudelsack überaus wesentlichen Ventils, welches
schließlich zu den am meisten beanspruchten und am ehesten
verschleißenden Kleinteilen eines Dudelsackes gehört, auch
auf etwas ganz anderes hinweisen wollen: So perfekt die mit wenigen
Handgriffen einzuschneidenden und dann als Ventilkappen einfach
anzufügenden elastischen Silikonelemente an manchen der heutigen
Dudelsäcke auch funktionieren mögen, im Falle ihres
Versagens oder auch später einmal möglichen „Hartwerdens“,
oder sonstigem „Kaputt- oder Verlorengehens“, müssten
sie ersetzt werden bzw. dann auch erneut beim Hersteller, oder sonst
irgendwie, neu besorgt werden.
Ganz
so wie das fehlende Ersatzteil eines modernen Autos.
Meine
zunächst weitaus aufwändiger angelegte Ventilkonzeption mit
dem traditionell angebundenem Lederlappenventil, kann hingegen im
Falle des Versagens, von jedem Spieler selbst wieder repariert und
entsprechend mit Vaseline weitergepflegt werden.
Damit
singe ich nun nicht plötzlich doch das Lied zum Lobe schlichten
„mittelalterlichen Selbermachens“, sondern ziele auf
etwas grundsätzlich anderes ab, was mir nicht nur in Hinsicht
auf dieses kleine Ventilelement als wichtig erscheint.
Ich
meine alle die Faktoren die dazu beitragen können bestimmte
Bindungen von Musikinstrument und Spieler, sowohl zu stiften, als
auch aufrecht zu erhalten und zu vertiefen.
Um
es zunächst an diesem kleinen Beispiel in ganz grober Art und
Weise zu sagen:
Die
Silikonkappe am Ventilrohr ist geeignet besondere Bindungen des
Spielers an den Hersteller seines Instrumentes zu stiften.
Meine
Mundrohrventilkonzeption ist eher geeignet bestimmte Bindungen des
Spielers an sein Instrument zu stiften.
Im
ersten Falle wird der Spieler sich zunächst auf die Versicherung
des Herstellers hinsichtlich des Funktionierens seiner Ventilkappe
vertrauensvoll verlassen müssen und sich im Falle deren
Versagens, wiederum vertrauensvoll auf diesen verlassen müssen,
da er auf ihn angewiesen sein wird, wenn es darum geht nun Ersatz zu
besorgen.
Im
zweiten Falle kann dem Spieler jedoch deutlich werden, dass er auf
diese Ventilkonstruktion in dem Sinne vertrauen kann, dass es ihm
immer möglich sein wird, dieses wesentliche Element seines
Instrumentes auch selbst im Griff zu haben, selbst reparieren und
erneuern zu können. Sein entsprechendes Vertrauensverhältnis
wird sich also wesentlich in Richtung auf sich selbst sowie auf sein
Verhältnis zu seinem Instrument beziehen. Und diese Bindung muss
sich nun keineswegs so entwickeln, dass er etwa künftig ständig
gezwungen sein wird, sich dort mit einem stets reparaturbedürftigem
Teil herumzuschlagen, sondern sie hat vielmehr die Chance sich im
Sinne der Entwicklung seiner eigenen Freiheit zu entfalten. Der
Freiheit dieses prinzipiell gefährdete Teil eines
Dudelsackinstrumentes, auch immer selbst funktionssicher beherrschen
zu können. Und er kann diese Freiheit dann vielleicht auch im
Sinne eines sich dabei entwickelnden besonderen
Traditionsverständnisses bzw. Traditionsverhältnisses
leben, da eben gerade Dudelsackspieler, so etwas im Sinne ihres
Instrumentes und zum Nutzen ihrer Musik, auch immer schon selbst
gekonnt und gemacht haben.
Dieses,
aus meiner Sicht, für kulturvolles Instrumentalmusikgeschehen
grundlegende Problem derartig möglicher, freilich stets auch
ganz individuell entstehender, individuell zu stiftender und
individuell weiterzuentwickelnder Bindungen eines Spielers an sein
Instrument, möchte ich nun auch aus der Position eines
Dudelsackspielers, der sich letztlich doch sein ganzes Instrument
möglichst selber machen wollte, noch eingehender kommentieren.
Und ich möchte dies auch immer noch in Bezug auf mein sicherlich
in besonders penibler Weise konzipiertes Anblasrohr tun.
Meine
ersten Dudelsack-Schalmeien hatte ich zunächst ohne Windkapseln
hergestellt, da ich sie immer gleich an ganz einfachen Säcken,
an denen sich damals auch noch „ganz einfache“
Abblasrohre befanden, spielen wollte. Erst später, nachdem Klaus
Stecker, der wohl erste in der DDR agierende, quasi professionelle,
also eben kommerziell orientierte, Schalmeien- und Dudelsackbauer,
seine Schalmeien mit bestimmten, mir sehr grob und klobig
erscheinenden Windkapseln anbot, habe auch ich mich damit beschäftigt
und dabei natürlich – eben auch im Zusammenhang mit meinen
damaligen akribisch gedrechselten Schallbechern – sowohl an
entsprechend schlankere, aber eben auch haltbare und hinsichtlich
ihrer Fassungen möglichst exakt maßhaltige, Windkapseln
gedacht. Aus diesen Überlegungen und Ambitionen entstanden dann
auch meine speziellen hölzernen Windkapseln, welche oben mit
einem hellen PVC-Mundstück und unten mit einer jeweils exakt
aufgeriebenen Fassung aus ebensolchem Material ausgestattet sind. Die
Herstellung derartiger Windkapseln erwies sich zwar zunächst als
ausgesprochen schwierig und auch sehr aufwändig, erschien mir
aber letztlich immer unverzichtbarer. Jedenfalls konnte ich es nie
wieder sein lassen Windkapseln in gerade dieser aufwändigen
Machart herzustellen, obwohl dies jeweils mehr Arbeit erfordern kann,
als etwa die oftmals durchaus einfachere Herstellung bestimmter,
jeweils dazugehöriger Instrumentenkörper. Ich hatte eben
bereits eine besondere, offenbar ganz andere Bindung an dieses
spezielle Teil eines von mir geliebten Musikinstrumentes entwickelt,
die sich eben deutlich von dem unterschied was ich ansonsten bei
anderen Dudelsack- und Schalmeienherstellern immer wieder erleben
konnte. Denn, dass man sich unter dem Gesichtspunkt des schnellen und
gewinnbringenden Verkaufs solcher Instrumente, doch eher für
ganz andere Produktionsweisen und Technologien entscheiden musste,
lag wohl auf der Hand.
Mir
kam hingegen alsbald der Gedanke, dass derart gestaltete Windkapseln
auch in attraktiver und nützlicher Weise als Mundblasrohr am
Sack geeignet sein könnten und dafür dann auch ein
bestimmter Ventilzwischenkörper entwickelt werden müsste.
Und dann ergab sich auch – irgendwie ganz folgerichtig –
die Notwendigkeit dieses besondere Ventilteil wiederum besonders
geschützt unterzubringen und eben nicht einfach (wie ansonsten
allenthalben üblich) direkt in eine Sackbuchse einzustecken.
Dass nun die wiederum aus Metall gefertigte Fassung für dieses
Ventilteil den gleichen Fassungsring aus hellem PVC trägt, wie
auch die darüber befindliche Windkapsel, ergab sich dann auch
konsequent aus der Weiternutzung bestimmter Funktionseigenschaften
von bestimmten bereits unvermeidbar verwendeten Formelementen.
Insofern findet sich dieses Formelement eines hellen PVC-Ringes dann
auch wieder in gleicher Weise als Funktionselement an der metallnen
Doppelbordunfassung und ist zudem auch bei vielen meiner metallnen
Winkelhalskopfstücke zu finden. Das dies alles, wenn ich es
jetzt recht bedenke, eben irgendwie auch mit der Art von
Windkapsel-Lösung zusammenhängt, zu der ich mich damals in
durchaus „unökonomischer“ Weise durchgerungen hatte,
hängt offenbar auch mit bestimmten Bindungen zusammen, die sich
bei mir schon ziemlich zu Anfang meiner später zunehmenden
Dudelsack-Aktivitäten herausgebildet haben müssen. Dabei
kann ich in Hinsicht auf diese „Ventilanblasrohrwindkapsel“
nun sagen, dass es sich bei dieser, im deutlichen Unterschied zu den
ursprünglichen so hübsch gedrechselten Holzschallbechern
meiner ersten Schalmeien, keineswegs irgendwie nur um eine, als
einigermaßen „geglücktes Produkt drechslerischer
Eitelkeiten“ anzusehende Besonderheit handelt, sondern, dass es
bei meinen Windkapseln von Anfang an um ein überaus schwierig
und aufwändig herzustellendes Musikinstrumentenelement handelte,
dessen wesentliche Formeigenschaften sich aber alle auch durch
spezifisch erforderliche Funktionseigenschaften begründeten. Und
auf diese Weise ist es offenbar dann auch zu dieser, möglicherweise
„überpeniblen“ Ventilmundrohrkonstruktion gekommen.
Eine Konstruktion, deren Grundelemente sich (ebenso wie auch andere
Dudelsackelemente) an allen meinen mundgeblasenen
Dudelsackinstrumenten in weitgehend austauschbarer Weise finden
lassen.
Das
können Sie nun auch hier an den vorliegenden zusammengesetzten
Dudelsackinstrumenten erkennen, von denen einige mit Bordunen in
sowohl nach oben gerichteter als auch seitlicher Spielposition,
eingerichtet sind und andere wiederum auch ohne solche
„Zusatzpfeifen“ für ein Dudelsackspiel ganz ohne Bordune(19)
vorgesehen sind.